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Engoben
Nach einer generellen Einführung und einem historischen
Überblick über die
Verwendung von Engoben in der
Geschichte der Keramik werden die typischen
Eigenschaften
(im rohen, getrockneten und gebrannten Zustand) von 8
Engobegruppen für die verschiedenen Keramikgattungen
(z. B. Raku,
Irdenware, Steinzeug, Baukeramik, Porzellan
etc.) und die
unterschiedlichen Brenntemperaturbereiche
eingehend erläutert. Die
praktische Arbeit mit Engoben
(Rohstoffe, Herstellung) von
Engobeschlickern, Auftrags-verfahren, Dekortechniken, Brennverfahren,
Prüfmethoden
etc.) wird ausführlich behandelt, sowie die möglichen
Engobefehler. Ein Sonderkapitel über Tonminerale, Tone und
deren
Eigenschaften und ein ausführliches Glossar runden
den Text ab, der im
Literaturverzeichnis die vielen Hinweise
auf Quellentexte und weitere
vertiefende Darstellungen
auflistet. Eine umfangreiche Rezeptsammlung ist
hilfreich.
| Inhalt |
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Vorwort/Danksagung
1. Einführung:
Abgrenzungen/Definitionen, Engobearten und unterschiede,
Engobeeigenschaften, Problematik keramischer Überzüge, Vor- und
Nachteile bei der Verwendung von Engoben
2. Historische Beispiele für die Engobenverwendung:
Frühe Bemalungen - Ostasien, Orient,
Mittelmeerraum, Mitteleuropa
Klassische und römische Terra sigillata
Präkolumbisches Amerika, Pueblo
Klassisches Korea, Japan, China
Europäische Irdenware, Fliesen und Kacheln, Wedgwood
Halbfayence -typische Dekore
3. Engobearten und ihre Besonderheiten:
Normale Tonengoben
Sinterengoben
Engoben für den Salzbrand
Engoben für den Rakubrand
Verlorene Engobe
Glanztonengoben
Porzellanengoben
Behaut- und Belagsmassen, Einlegemassen
Schutzengoben
Engoben für spezielle baukeramische Produkte
4. Herstellung von Engobeschlickern und -überzügen:
Rohstoffe und Rohstoffauswahl
Aufbereiten und Mischen
Färben
Auftragen
Brennen
Untersuchungen und Prüfverfahren
Nachbearbeitung
Engobe und Glasur
5. Dekorverfahren:
Tauchen und Schütten
Spritzen
Ausspartechniken/Schablonentechnik
Pinseldekore/Malhorndekore
Marmorieren
Reliefieren
Drucktechniken
Sgrafitto- und Ritztechniken
6. Engobefehler:
Ursachen
Vorsorgliche Vermeidung
Beseitigung/Abhilfe
7. Rezeptsammlung:
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Textprobe:
1.1. Arten von Engoben
Engoben, Angüsse oder Begüsse sind in der Regel tonige
Überzüge, die den darunterliegenden Scherben verdecken,
seine Oberfläche zugleich glätten und ihr eine andere Farbe
verleihen sollen, als es allein durch die Brennfarbe der
Scherbenmasse möglich wäre. Sie sind oft der passende
Untergrund für weitere andersfarbige Bemalungen. So lassen
sich auch unreine und missfarbene Tonmassen zu
anspruchsvolleren Produkten gebrauchen. Die gebrannte
Oberfläche ist matt. Meistens sind diese Engobeüberzüge
noch mit einer transparentfarblosen Glasur überglasiert, um
den porösen Untergrund abzudichten (bei Irdenware und
Halbfayence) und die Farben kräftiger und leuchtender zu
machen.
Sinterengoben sind tonartige Überzüge, die leichter und bei
niedrigerer Brenntemperatur dicht sintern als der Scherben,
der diese Überzüge trägt. Sie ergeben eine härtere und
kratzfeste Oberfläche, die meistens erheblich weniger porös
als der Scherben oder fast dicht ist. Auch sie können eine
andere Oberflächenfarbe erzeugen und oft auch einen
gewissen sanften Glanz zeigen. Sie tragen und benötigen in
der Regel keine zusätzliche Glasur.
Glanztonengoben ("Terra sigillata") sind extrem feinteilige
tonige Überzüge, die auch ohne Politur eine seidenglänzende
Oberfläche erzeugen können. Sie werden üblicherweise
niedrig gebrannt (maximal 1050 bis 1100° C) und sind porös
bis nahezu dicht. Sie werden in sehr dünner Lage aufgetragen
und haben einen sehr angenehmen optischen wie haptischen
Reiz.
Engoben für den Salzbrand erzeugen zusammen mit der
Anflugglasur (aus Kochsalz, Soda, Borax oder
Natrium-hydroxid eine reizvolle und interessante Oberfläche
bzw. Färbung.
Behaut- und Überzugsmassen sind Engoben, die in eher sehr
dicker Schicht, oft pastos,aufgetragen werden und die vielfach
auch aus mageren, nichttonigen Rohstoffen gemacht werden
können bzw. aus Mischungen der verschiedenen Tone und
anderen Rohstoffen. Sie können sowohl glatte wie auch rauhe
Oberflächen erzeugen und Untergrund für spezielle Glasuren
sein.
Porzellanengoben sind solche, die für einen Porzellan-scherben
bestimmt sind und/oder aus Porzellanmasse
hergestellt werden. Sie haben als schneeweisse Engobe-schicht den
Vorteil einer sehr grossen Brennschwindung,
werden üblicherweise dicht
gebrannt und ergeben wegen
ihres grossen Glasphasernanteils mit
Farbpigmenten leicht
die kräftigsten und klarsten Färbungen.
Schutzengoben und -anstriche sollen den keramischen
Scherben vor
äusseren Einflüssen schützen, vor allem
Brennhilfsmittel oder
Ofenauskleidungen vor dem Angriff
ablaufender
Glasurschmelzen, Ofengase oder Anflügen
verdampfender Salze.Verlorene Engoben sollen nur temporär
haften und werden nach dem
Brennen wieder entfernt.
1.2. Allgemeines zu keramischen Überzügen
Alle Überzüge auf keramischen Scherben sind stets im
Zusammenhang mit
dem sie tragenden Untergrund und
dessen Eigenschaften zu sehen. Sie
schaffen grundsätzlich
vier neue Problembereiche, deren
Fragestellungen am besten
zuvor abgeklärt werden sollten:
1.Welche Schichtdicke des Überzugs ist nötig bzw.
gewünscht? Mit
welcher Auftragstechnik ist diese zu
erreichen und welche kann ich
anwenden? Welcher
Auftragszeitpunkt im Herstellungsverlauf ist zu
wählen?
Sind die Gerätschaften für das Auftragsverfahren vorhanden
und
welche brauche ich überhaupt dafür? Wer übernimmt
das Auftragen? Wer
hat darin genug Übung? Sind Zeit- und
Arbeitsaufwand nicht zu gross?
2. Ist eine richtige Aufbereitung der Überzugsschlicker und
-massen
(Glasuren wie Engoben) gewährleistet und wie
muss diese erfolgen? Wie
erreiche ich die richtige Konsistenz
und Korngrössenverteilung
(Mahlfeinheit) der Masse?
Welches Aufbereitungs verfahren kann gewählt
werden?
Welche Probleme könnten beim Hantieren mit Tonen,
Rohstoffpulvern, Pigmenten,
Oxiden, Schlickern und deren
Aufbewahrung auftauchen? Wie sind
Recycling oder
Abfallentsorgung zu behandeln? Welche Rohstoffe sind
unumgänglich nötig und welche wahlweise benutzbar?
Spielt der Preis
(die Kosten für Rohstoffe) der Überzugs-schicht eine Rolle?
3. Wie erreiche ich die nötige oder gewünschte mechanische
und
chemische Widerstandsfähigkeit und die optische wie
haptische Qualität
der Überzugsschicht? Allein mit einer
Engobe, mit Engobe und Glasur
oder nur mit einer Glasur?
Welche Wechselwirkungen zwischen Scherben, Engobe und
Glasur könnten positive oder negative Auswirkungen haben?
Braucht der Engobeüberzug eine mechanische Bearbeitung
nach dem
Auftrag oder nach dem Brand? Kann ich die nötige
Brenntemperatur
erreichen bzw. anwenden oder ein
besonderes Brennverfahren benutzen?
4. Wie erreiche ich das Haften der Überzugsschicht auf dem
Scherben,
und zwar direkt beim Auftragen, während und nach
dem Trocknen, beim
Aufheizen und Brennen sowie auf Dauer
nach dem Brand bei der oft
jahrelangen Benutzung?
Dabei ist ein grundsätzlicher Unterschied zwischen Glasuren
und Engoben zu konstatieren und zu berücksichtigen:
Obwohl wir beide meistens als wässrige Suspensionen von
Feststoffen -
also mehr oder weniger dickflüssige Schlicker -
benutzen, weist eine
Glasur in der Regel eine sehr geringe
Trockenschwindung oder auch gar
keine auf und zeigt auch
kaum eine Brennschwindung, weil ihre
Rohstoffe fast
ausschliesslich unplastisch und wenig quellfähig sind.
Deshalb müssen wir sie üblicherweise auch auf einem
Scherben
auftragen, der keine Trockenschwindung mehr hat.
Also auf einen bei
niedriger Temperatur vorgebrannten -
geschrühten - Scherben.
Glasurschlicker geben beim
Auftragen ihr Anmachwasser relativ schnell
an den porösen
Scherben ab. Sie haften im ungebrannten Rohzustand
relativ
schwach auf der Scherbenoberfläche, verbinden sich aber im
schmelzflüssigen Zustand sehr fest und intensiv mit der
Unterlage.
Engobeschlicker sind üblicherweise aus den sehr feinteiligen,
oft
quellfähigen natürlichen Tonen hergestellt und haben
deshalb, wie die
Arbeitsmassen für den Scherben, oft grosse
Trockenschwindungswerte und
merkliche bis starke
Brennschwindung (abhängig von der Höhe der
Brenn-temperatur). Sie sollen mit ihrer Unterlage gemeinsam beim
Trocknen und Brennen kleiner werden (schwinden) und werden
deshalb
besser auf den rohen, ungebrannten Scherben
aufgetragen. Sie geben
dann ihr Anmachwasser nur langsam
an diesen nicht sehr saugfähigen
Untergrund ab;
die Überzugsschicht bleibt viel länger nass bzw. feucht,
also
weich. Die Engobeschichten sollen möglichst eine geringfügig
grössere Trocken- und Brennschwindung haben als ihre
Unterlage, damit
sie auf Dauer haften. Sind ihre Schwindungs-werte geringer als die des darunterliegenden Scherbens, wird
die Gefahr des Abblätterns beim
Trocknen und des
Abplatzens nach dem Brand grösser. Engobeüberzüge
haften
deshalb meistens schlecht bei Auftrag auf einen geschrühten
Scherben.
Glasurschichten haften deshalb schlecht bei Auftrag auf einen
rohen
ungebrannten, eventuell sogar noch nicht trockenen
Scherben.
Generell gilt aber: je langsamer ein wässriger Schlicker als
Überzugsschicht sein Anmachwasser an die Unterlage abgibt
bzw. es sonstwie verliert, desto grösser ist die Haftfestigkeit
auf der
Unterlage (von extremen Schwindungsunterschieden
abgesehen).
1.3 Warum überhaupt Engoben?
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Autorenporträt:
Der Autor war als Geselle in der handwerklichen Töpferei tätig und als
Keramik-Ingenieur in der grobkeramischen Industrie. Danach war er über
25 Jahre lang Fachlehrer für Keramische Technologie, Glasur- und
Masseentwicklung, Prüf- und Untersuchungsverfahren, sowie
Gefässgestaltung an den Staatlichen Fachschulen für Keramik-Gestaltung
und -technik in Höhr-Grenzhausen. Er hat heute noch einen Lehrauftrag
an der Fachhochschule Koblenz-Institut für Künstlerische Keramik und
Glas. |
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