Raku

individuelle Keramik mit Tradition

Im 16.Jahrhundert kommt ein koreanischer Töpfer nach Japan und stellt neben Dachziegeln auch Reisschalen her. Sein Sohn setzt die koreanische Tradition der einfachen bäuerlichen Keramik fort. Ein japanischer Teemeister findet in den Keramikprodukten ein Beispiel von Einfachem und Natürlichem, das dem Geist des Zen-Buddhismus entspricht. Der Nachfolger dieser Teeschalentöpfer erhält vom Militärdiktator - der für die Kunst des Tees empfänglich war - ein Goldsiegel mit der Inschrift "Raku". Raku bedeutet "Gelassenheit", "Wohlgefühl". 

Die bis dahin gezierte Art der Teezeremonie - so wie sie durch die ersten grossen Teemeister begründet war - wandelte sich. Die Wände des Teepavillons wurden mit Strohlehm bedeckt und der Boden mit Strohmatten ausgelegt. Löffel und Rührstäbe aus Bambus sowie Raku-Trinkschalen begleiteten von nun an die schlichte Zeremonie. In unserem Jahrhundert entdeckte ein englischer Töpfer das Raku. Sein 1940 veröffentlichtes Buch ist der Ursprung aller seitdem entstandenen abendländischen Raku-Formen. In den "Sechzigern" gab es in Aspen (Colorado) open-air-meetings mit gemeinschaftlichem Raku-Brennen zur Wiederentdeckung von Gelassenheit und Wohlgefühl

aus dem 16. Jahrhundert

Der Ursprung des Raku steht in engem Zusammenhang mit dem Zen-Buddhismus und der Tee-Zeremonie in Japan.  Sen-no Rikyu, ein höfischer Teemeister des 16.Jahrhunderts prägte diese noch heute gültige Zeremonie. Dabei entsprachen die niedrig gebrannten Teeschalen des Töpfers Tanaka Choijros (1516-1592) genau seinen Vorstellungen und genossen bald höchste Anerkennung. Dem Töpfer wurde ein goldenes Siegel mit der Inschrift "Raku" verliehen - das
bedeutet soviel wie "Wohlgefühl", "Freude ", "Glück".......

Die Kunst des Raku hat sich seitdem in Japan beständig erhalten. Erst mehr als 300 Jahre später wird sie (vor allem durch Bernhard Leach) zunächst in den USA bekannt. Seit den siebziger Jahren fasziniert zunehmend auch europäische Keramiker die natürliche Einfachheit, zu der diese Keramik zwingt und der Reiz, dabei dem Zufall eine Chance zu lassen...

Technik und Brand

Die aus stark schamottiertem Ton aufgebauten Stücke werden zunächst in einem Brennofen  bei 
850 - 960°C vorgebrannt (Rohbrand) und danach mit speziellen Raku-Glasuren glasiert und getrocknet. Nun werden sie im Raku-Ofen, der im unserem Fall mit Gas oder Holz beheizt wird, eingesetzt. Da wir mit Gas oder Holz feuern, mit glühenden Stücken hantieren und räuchern, platzieren wir den Ofen an einer geeigneten Stelle im Freien.

Nach ca. 2 Stunden ist eine Temperatur von etwa 970°C erreicht. Sobald die Glasur sichtbar geschmolzen ist, werden die Stücke rot glühend mit Zangen und Handschuhen aus dem Ofen entnommen, evtl. durch Schwenken an der Luft etwas abgeschreckt
und in eine mit Stroh,
Sägemehl, Laub oder Papierschnitzel gefüllte Reduktionskiste zum "Räuchern" gelegt.

Die sofort entstehenden Flammen werden unter Sägemehl erstickt. So wird dem Ton und der
Glasur der im Ofen aufgenommene Sauerstoff wieder entzogen und es entstehen spezielle Glasureffekte und die typische Schwarzfärbung nicht glasierter Teile. Auch die Glasursprünge, die durch die Schwarzfärbung noch stärker hervortreten, gehören zu den Merkmalen der Raku-Keramik
. Der Reduktionsprozess kann durch Auf- und Abdecken des Sägemehls etwas gesteuert werden. Schliesslich werden die immer noch sehr heissen Stücke in Wasser schnell abgekühlt. Durch den Luftabschluss wird eine Reoxidation verhindert. Letztendlich werden die Stücke vom Russ und anderen anhaftenden Verunreinigungen gereinigt.

Die vielfältigen Möglichkeiten, die sich hier dem Keramiker bieten, sowie der direkte Eingriff in das Brandgeschehen erheben diese Brenntechnik zur ausdrucksstarken Kunstform. Jedes dieser entstandenen Gefässe erhält so durch die Vielzahl "zufälliger" Einflüsse eine individuelle Ausdruckskraft - Jedes Stück ist einmalig und bietet auch aus verschiedenen Perspektiven einen jeweils anderen Blick.

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